Was heisst Herzmuskelschwäche?

Der Herzspezialist Prof. Dr. med. Georg Noll erklärt Symptome, Ursachen, Diagnose

und Therapiemethoden von Herzmuskelschwäche.

 
 

Die Herzmuskelschwäche ist eine der häufigsten Herzleiden überhaupt.  

Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz oder Herzschwäche) ist die Unfähigkeit des Herzens, den Körper aufgrund von einer „schwachen oder versteiften Herzpumpe“ ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Die Folge ist ein Durchblutungsmangel, der gerade im höheren Alter zu verminderter körperlicher und psychischer Leistungskraft führen kann. Typisch für Herzmuskelschwäche ist Atemnot.

Die optimale und in unserem interdisziplinären Team erarbeitete Therapie-Strategie für Patienten mit Herzmuskelschwäche richtet sich nach dem Erscheinungsbild und dem Stadium der Herzschwäche.


Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)

Herzinsuffizienz bedeutet Schwäche des Herzens. Nur ein starkes Herz schafft es, die nötige Menge Blut in den Körper zu pumpen. Ist der Herzmuskel schwach, fehlt es den Organen, Zellen und Geweben bald einmal an Sauerstoff und Nährstoffen. Ein Kreislaufversagen droht.

Bei einer Herzinsuffizienz schafft es der zu schwache Herzmuskel nicht, das nötige Blut in den Körper zu pumpen.

Eine solche Herzschwäche kann auftreten als vorübergehendes Phänomen im Rahmen vieler Erkrankungen (zum Beispiel schwerer Entzündung) oder als Endstadium von spezifischen Herzerkrankungen. Die Anzahl von Patienten mit Herzinsuffizienz nimmt stetig zu. Dies hat vor allem mit dem Älterwerden der Bevölkerung zu tun. Aber auch das vermehrte Überleben nach Herzinfarkten, welche ohne die moderne interventionelle Kardiologie zum Tod geführt hätten, sowie der Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) tragen zur wachsenden Patientenzahl zu.

 

Symptome

Anfangs machen sich die Symptome einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) vor allem bei körperlicher Anstrengung bemerkbar. Betroffene klagen über Atemnot, Reizhusten, geschwollene Beine oder ein Druckgefühl im Oberbauch. Im weiteren Verlauf zeigen sich die Symptome zunehmend auch im Ruhezustand. Die wichtigsten Symptome von Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) sind:

  • Atemnot bei einfachen körperlicher Belastung (z. B. beim Treppensteigen)

  • Schwindel- und Ohnmachtsanfälle

  • Herzrhythmusstörungen

  • Typnische Hinweise für Linksherzinsuffizienz: Beschleunigte Atmung, Hustenreiz und Unruhe

  • Typische Hinweise für Rechtsherzinsuffizienz: Wassereinlagerungen (Ödeme) in Beinen und auf Fussrücken


Ursachen

Eine Herzinsuffizienz kann ein vorübergehendes Phänomen sein, beispielsweise hervorgerufen durch eine Krankheit. Sie kann auch als Endstadium einer spezifischen Herzerkrankung auftreten. Besonders gefährdet sind Menschen im hohen Alter, mit Bluthochdruck oder mit einem bereits erlittenen Herzinfarkt. Deshalb sollte sie in jedem Fall abgeklärt werden. Mögliche Ursachen von Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) können sein:

  • Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

  • Herzrhythmusstörungen

  • Herzklappenfehler

  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)

  • Herzmuskelentzündungen

  • Lungenerkrankungen

  • Diabetes

  • bestimmte Medikamente

  • Herztumore


Diagnose

Die Diagnostik von Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) verläuft in mehreren Stufen und umfasst unterschiedlichste Methoden. Neben der gezielten Anamnese durch den Arzt gibt die körperliche Untersuchung, wie das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop, inklusive einer Blutdruckmessung bereits wichtige Hinweise auf eine mögliche Herzerkrankung. Weitere Diagnostik-Methoden bei Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) sind:

  • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens)

  • Röntgenuntersuchung von Lunge und Brustkorb

  • Elektrokardiogramm (EKG): Langzeit-EKG

  • Blutuntersuchungen

  • Herzkatheter-Untersuchung (Sondierung der Herzenkranzgefässe)

  • Messung von Atemgasen unter Belastung (Spiroergometrie)

  • Bildgebende Spezialverfahren: Computertomographie des Herzens (Cardio-CT), Magnetresonanztomographie des Herzens (C-MRT)


Unsere Therapie-Kompetenzen

  • Umfassende Abklärung des Krankheitsbilds und Beratung

  • Optimierung von Risikofaktoren

  • Medikamentöse Behandlung mittels moderner Medikamente

  • Kardinale Resynchronisationstherapie (CRT)

  • Implantierung eines Defibrillators

  • Abklärungen der Eignung für Kunstherzen und Herztransplantation

  • Screening-Untersuchungen von Angehörigen bei erblichen Erkrankungen



Medikamentöse Behandlung bei Herzmuskelschwäche

Die Behandlung einer Herzinsuffizienz geschieht meist medikamentös. Ziel ist es, das Herz zu entlasten. Damit dies gelingt, ist die optimale Zusammensetzung der Medikamente durch einen Spezialisten entscheidend. Erfolgreich eingesetzt werden unter anderen ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzyme), um die Blutgefässe zu weiten und den Bluthochdruck zu senken, Beta-Blocker, um die Herzfrequenz zu senken, und Diuretika, um mehr Salz und Wasser als üblich aus dem Blutstrom zu filtern.


Kardinale Resynchronisationstherapie (CRT) bei Herzmuskelschwäche

Die Behandlung einer Herzinsuffizienz geschieht meist medikamentös. Ziel ist es, das Herz zu entlasten. Damit dies gelingt, ist die optimale Zusammensetzung der Medikamente durch einen Spezialisten entscheidend.

Geschwächte Herzen sind anfällig für Reizleitungsstörungen. Diese führen dazu, dass die linke und die rechte Herzhälfte nicht mehr gleichzeitig schlagen. Die linke Herzkammer hinkt der rechten nach, und das Herz muss verstärkt pumpen.

Eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) bietet sich an. Sie hat zum Ziel, die Synchronie der linken und rechten unteren Herzkammern zu verbessern. Hierzu wird ein biventrikulärer, also beide Herzkammern stimulierender Herzschrittmacher implantiert.

Dieser umfasst nicht wie ein herkömmlicher Herzschrittmacher zwei Elektroden, sondern drei. Die zusätzliche Elektrode wird in eine Koronarvene, eine übers Herz verlaufende Vene in der linken Herzkammer eingesetzt. Dies geschieht via Vene oder einem thorakoskopischen Zugang, einen minimalen Einstich in den Brustkorb.

Dank dieser dritten Elektrode ist es möglich, beide Herzkammern ohne Unterbruch zu stimulieren. Diese Anregung entlastet das Herz. Für den Eingriff ist ein Spitalaufenthalt von ein bis drei Tagen nötig.
 
 

Die Resynchronisationstherapie ist neuartig und richtet sich insbesondere an Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium II–IV). Weitere strenge Kriterien gelten, und eine exakte Abklärung lohnt sich. Schätzungen zufolge wird weniger als die Hälfte aller Patienten, die für eine Resynchronisationstherapie infrage kämen, tatsächlich entsprechend versorgt.


Implantierung eines internen Defibrillators bei Herzmuskelschwäche

Der Internal Cardiac Defibrillator (ICD) schützt Patienten vor der Todesursache Nummer eins: dem plötzlichen Herztod. Seit etwa 30 Jahren existiert der Defibrillator als Implantat, ähnlich einem Herzschrittmacher.
 
Der Defibrillator erkennt über ein Elektrogramm einen schnellen und lebensbedrohlichen Herzrhythmus. In diesem Fall gibt er umgehend einen Stromimpuls ab. Der Herzrhythmus normalisiert sich, das Herz kann wieder Blut durch den Körper pumpen. Der Defibrillator besteht aus zwei Komponenten. Zum einen aus einer Elektrode, die über die Vene in der rechten Herzkammer verankert wird. Zum anderen aus einem Gerät samt Batterie, Steuerung und weiterer Elektrode, das beim Brustmuskel unter die Haut implantiert wird.

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Eine Schwachstelle hat die ICD-Therapie: die Elektroden. Sie sind permanent mechanischen Belastungen ausgesetzt, zum Beispiel der Bewegung des Herzens. Nach zehn Jahren treten bei etwa 20 Prozent der Patienten Elektroden-Komplikationen auf.

Bei der ICD-Therapie wird eine Elektrode direkt ins Herz implantiert. Sie ist Teil eines Defibrillators, der bei zu schnellem Herzschlag einen Stromschlag aussendet und den Rhythmus normalisiert.

Als Alternative haben Spezialisten einen innovativen, subkutanen ICD (S-ICD) entwickelt. Bei dieser Therapieform bleiben Herz und Blutgefässe unangetastet: eine Elektrode wird nicht unmittelbar ins Herz implantiert, sondern oberhalb des Brustbeins direkt unter die Haut, also subkutan. So ist die Elektrode kaum Bewegung ausgesetzt. Noch stehen Langzeitdaten zur Beurteilung der Therapie aus. Doch es darf von deutlich weniger Komplikationen ausgegangen werden als bei einer herkömmlichen ICD-Therapie.

Die Therapie mittels S-ICD ist für junge, sportlich aktive Patienten geeignet, die ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod aufweisen, zum Beispiel wegen angeborener Herzmuskelerkrankung. Des Weiteren kommt sie infrage für Patienten, die Komplikationen mit transvenösen ICD hatten.


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