Was ist Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörungen)?

Der Herzspezialist Prof. Dr. med. Sacha Salzberg beantwortet Patientenfragen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapiemethoden von Vorhofflimern (Herzrhythmusstörungen).

 
 

Herzrhythmusstörung sind eine krankhafte Verlangsamung oder Verschnellerung der Herzfrequenz.

Harmlose Extraschläge sind meistens normal und müssen nicht beunruhigend wirken. 

Vorhofflimmern ist eine Veränderungen der elektrischen Herzerregung, bei denen das Herz zu langsam, zu schnell und dann aber unregelmässig schlägt. So kann Vorhofflimmern, die häufigste Rhythmusstörung überhaupt, das Schlaganfall-Risiko erhöhen und die Leistungskraft des Herzens zusätzlich reduzieren. Typisch für das Vorhofflimern ist verspüren von Herzrasen oder Herzstolpern. Diese Symptome gilt es bei der Behandlung zu beheben.

Die optimale und im interdisziplinären Team erarbeitete Behandlungs-Strategie für Patienten mit Vorhofflimmern erarbeitet sich individuell nach stattgefundener Abklärung aller Ursachen und anderen Faktoren. In der HerzKlinik beraten wir sie sehr gerne. Vorab sollten sie sich an ihren Hausarzt und/oder Kardiologen wenden.


Haben Sie Fragen zu Vorhofflimmern?


Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörungen)

Die normale Herzfrequenz liegt bei 50 bis 100 Schlägen pro Minute. Natürliche Variabilität des Herzschlags, etwa bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung sind normal. Krankhafte Herzrhythmusstörungen sind eine Fehlfunktion der elektrischen Herzerregung, bei denen das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmässig schlägt. Eine Herzfrequenz "unter 50 Schlägen pro Minute in Ruhe" bezeichnet man als verlangsamt (Bradykardie), eine Frequenz "über 100 Schlägen pro Minute in Ruhe" als zu schnell (Tachykardie).

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, wobei die Herzvorhöfe (kleinen Kammern) nicht mehr regelmässig, sondern unregelmässig und unkoordiniert schlagen. Dies führt dazu, dass das Herz weniger Blut in den Kreislauf pumpen kann.

Vorhofflimmern kann ernsthafte Beschwerden auslösen und sollte daher abgeklärt und behandelt werden. Diese Krankheit wird durch eine Art elektrisches Gewitter in der „Elektrischen Verkabelung“ im Herz verursacht.

Die Pumpaktivitäten der Vorhöfe und der Herzkammern sind nicht mehr aufeinander abgestimmt – dadurch nimmt die Herzleistung ab, wie wenn beim Auto ein oder mehrere Zylinder ausfallen.

Kurzfristig kann dieser Leistungsrückgang kompensiert werden, langfristig jedoch kann sich eine Herzmuskelschwäche entwickeln. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht wird ist es oftmals zu spät für eine Erholung des Herzens.

Grundsätzlich ist Vorhofflimmern welches neu auftritt ungefährlich. Vorhofflimmern ist aber eine progressive und potenziell auch gefährliche Erkrankung: Menschen mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Sterberisiko, denn wegen des Vorhofflimmerns können sich im Herzen Gerinnsel bilden welche eine Hirnschlag verursachen können. Über die Zeit im Verlauf der Erkrankung können verschiedene Formen von Vorhofflimmern auftreten. Beispielsweise kommt es wiederholt zu Episoden von paroxysmalem Vorhofflimmern welche spontan konvertieren und dazwischen zu Episoden von persistierendem Vorhofflimmern welche dann nicht mehr ohne Intervention weg gehen. Im Allgemeinen nimmt der Schweregrad des Vorhofflimmerns mit der Zeit zu: Bei einem Patienten mit Episoden von paroxysmalem Vorhofflimmern kann das Vorhofflimmern mit den Jahren an schweregrad zunehmen wenn nichts unternommen wird.


Symptome

Die unterschiedlichen Formen von Herzrhythmusstörungen haben ähnliche Symptome: Herzklopfen, Schwächegefühle, Kurzatmigkeit und ein unangenehmes Gefühl in der Brust. Die wichtigsten Symptome von Herzrhythmusstörung sind:

  • Herzrasen oder Herzstolpern

  • Schwindel: Schwarzwerden vor den Augen oder Ohnmacht (plötzlicher Bewusstseinsverlust)

  • Angst, innere Unruhe und Nervosität

  • Luftnot und Leistungsschwäche


Ursachen

Ursache von Herzrhythmusstörungen ist eine Fehlfunktion der elektrischen Herzerregung: Das Herz beginnt unkoordiniert oder ineffizient zu arbeiten. Mögliche Ursachen von Herzrhythmusstörungen können sein:

  • Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt

  • Anomalien an den Leitungsbahnen

  • Entgleisungen der Blutsalze

  • Aortenklappenstenose (Herzklappenfehler)

  • Herzmuskelentzündungen

  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

  • Bestimmte Medikamente oder Drogen


Diagnose

Die Diagnostik von Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) verläuft in mehreren Stufen und umfasst unterschiedlichste Methoden. Neben der gezielten Anamnese durch den Arzt gibt die körperliche Untersuchung, wie das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop, inklusive einer Blutdruckmessung bereits wichtige Hinweise auf eine mögliche Herzerkrankung. Weitere Diagnostik-Methoden bei Herzrhythmusstörungen sind:

  • Elektrokardiogramm (EKG): Ruhe-EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG

  • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens)

  • Blutuntersuchung

  • Bildgebende Spezialverfahren: Magnetresonanztomographie des Herzens (C-MRT)

  • Herzkatheter-Untersuchung (Sondierung des Herzens mit Kathetern über Leisten- oder Armgefässe)


Unsere Therapie-Kompetenzen

  • Herzschrittmacher

  • Herzohrverschluss

  • Vorhofflimmern-Ablation



Herzschrittmacher

Bei Herzrhythmusstörungen ist der Herzschrittmacher eine bewährte Therapieoption. Der Herzschrittmacher wird unter Lokalanästhesie durchgeführt und in einer knapp einstündigen Operation unter die Haut implantiert. Die Elektrode wird durch einen kleinen Hautschnitt in eine Vene eingeführt und zum Herzen vorgeschoben. Unter Röntgenkontrolle wird diese in der rechten Herzkammer verankert.

Über die Elektrode werden elektrische Impulse abgegeben, welche das Herz stimulieren, damit es nicht aus dem Takt fällt. Das medizinische Gerät registriert ab dem Eingriff die Herztätigkeit. Bei zu langsamer Herztätigkeit gibt der Herzschrittmacher elektrische Impulse ab, die eine optimale Herzfrequenz sicherstellen. Der individuell programmierte Schrittmacher sollte alle halbjährlich kontrolliert werden.

 

Herzohrverschluss

Die Antikoagulation beugt der Bildung von Blutgerinnseln bei Patienten mit Vorhofflimmern vor. Solche Blutgerinnsel können infolge eines unregelmässigen Herzrhythmus auftreten und führen im schlimmsten Fall zu einem Hirnschlag.

Durch eine Verdünnung des Blutes wird dieses Risiko gesenkt, allerdings steigt damit eine andere Gefahr an, das Risiko nämlich, dass das Blut zu stark oder zu wenig stark verdünnt wird (Labiler INR). Jetzt gibt es eine neue Therapie für Patienten, bei denen die Blutverdünner nicht infrage kommen. Dabei handelt es sich um den Verschluss des linken Herzohrs.

Operationszugang

Dieser Verschluss wird im Rahmen einer kleinen Intervention mittels Katheter (1) oder Thorakoskopie (2) durchgeführt.

Nach dem Verschluss des linken Herzohrs kann der Blutverdünner auch bei bestehendem Vorhofflimmern abgesetzt werden.Akutell gibt es eine klare Indikation für den Verschluss des linken Herzohrs, denn die „Protect AF“-Studie hat einen signifikanten Überlebensvorteil für Patienten mit verschlossenem Herzohr aufgezeigt. Somit kann diese Therapie nun auch Patienten in der Schweiz angeboten werden. Dieser Herzohrverschluss wird über einen Katheter via Leiste realisiert (endovaskulär) oder endoskopisch minimalinvasiv mittels Thorakoskopie durch den Herzchirurgen. 


Vorhofflimmern-Ablation

Eine effektive Therapie bei Vorhofflimmern, insbesondere wenn eine Rhythmuskontrolle erzielt werden soll, ist die Ablation. Eine Ablation ist eine lokal applizierte Energiedosis, die eine Narbe verursacht. Diese Narbe führt zur elektrischen Isolierung des verödeten Gewebes. Da meistens die Lungenvenen für das Auslösen des Vorhofflimmerns verantwortlich sind, wird bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern eine Lungenvenenisolation durchgeführt. Hier wird mittels eines Katheters die Hinterwand des linken Vorhofs behandelt (1). Die Resultate der Katheterablation sind sehr unterschiedlich, und es ist sehr oft ein zweiter oder dritter Eingriff notwendig, um das Vorhofflimmern vollständig zu eliminieren. Dieser Eingriff wird von einem Elektrophysiologen in der Elektrophysiologie durchgeführt.

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Operationszugang

Intervention mittels Katheter (1) und Thorakoskopie (2).

Bei therapierefraktären Patienten kann auf ein endoskopisches Verfahren zurückgegriffen werden (2). Operiert wird mit speziellen Instrumenten und einer Minikamera, die durch kleine Hautschnitte an das Operationsfeld herangeführt werden. Ein solches Operationsverfahren wird deshalb auch als Schlüsselloch-Chirurgie bezeichnet. Die Kamera überträgt die Operationsbilder aus dem Körperinnern auf einen Monitor, an dem sich die Chirurgen orientieren. Je drei kleine Hautschnitte auf der linken und der rechten Brustseite reichen für den Eingriff am schlagenden Herzen aus. Diese neue Methode verbindet die hohe chirurgische Erfolgsquote von über 90 Prozent mit einem schonenden, minimalinvasiven Eingriff und stellt damit eine gute Alternative zur nicht unproblematischen Katheterablation dar.
 
Schliesslich besteht auch hier die Möglichkeit eines Hybrid-Eingriffs. In diesem Fall wird zuerst mittels Thorakoskopie eine Ablation und die Entfernung des linken Herzohrs durchgeführt. Dann wird die dreimonatige „Blanking-Period“ abgewartet, und bei Vorhofflimmer-Rezidiv kann der Elektrophysiologe mittels Katheter eine weitere Untersuchung durchführen. Die Erfolgsquote in diesem Zusammenhang liegt für Patienten mit persistentem Vorhofflimmern bei über 90 Prozent nach einem Jahr. 


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