Was umfasst die Invasive Kardiologie?

Die Herzspezialisten Prof. Dr. med. Roberto Corti, Dr. med. Ivano Reho und PD Dr. med. Christophe Wyss erläutern die Therapiemethoden der Invasiven Kardiologie.

 
 

Das Leistungsspektrum der invasiven Kardiologie umfasst alle heute anerkannten diagnostischen sowie therapeutischen interventionellen Verfahren. Die invasive Kardiologie umfasst mitunter Untersuchungen und therapeutischen Massnahmen, bei denen Katheter im Herzkatheterlabor über die grossen Gefässe in die Herzhöhlen oder Herzkranzgefässe vorgebracht werden.


Die invasive Kardiologie

  • Hämodynamische Evaluation einfacher und komplexer Herzprobleme

  • Diagnostische Prozeduren (Koronarangiographien, Endomyokardbiopsien, intrakoronare Bildgebung, koronare Hämodynamik)

  • Koronare Revaskularisationen und Stentimplantationen (auch komplexe Situationen wie chronische Verschlüsse, Mehrgefässerkrankungen und Hybrideingriffe)

  • Interventionen bei strukturellen Herzkrankheiten (PFO-, ASD-, Vorhofsohrverschluss, u.a.)

  • Katheterbasierte Klappentherapien

  • 24Stunden-Dienst für Akutinterventionen bei Herzinfarkten (HerzNotfall)

 

Anatomie des Herzens

 

Das normale Herz besteht aus vier Kammern, zwei Vorhöfen und zwei Ventrikeln. Ventile trennen diese Kammern (Aorten, Mitral, Tricuspidal und Pulmonal Klappen) und Koronararterien (in rot) liefern Blut an den Herzmuskel - der linke Ventrikel liefert Blutfluss zum ganzen Körper und ist viel dicker als der rechte Ventrikel, der verantwortlich ist für den Blutfluss in die Lunge.


Stent-Implantation bei Erkrankung der Herzkranzgefässe (PCI)

Ein Stent ist ein steifes Röhrchen aus Metall oder Kunstfasern. Er wird in die verengten Herzkranzgefässe implantiert mit dem Ziel, die Gefässwände zu stützen, erneute Ablagerungen zu verhindern und den Blutfluss zu gewährleisten. Ein Stent besteht aus einem Gerüst und einer medikamentösen Beschichtung, die neuste Generation Stents ist biologisch abbaubar.

Zugänge

Die Implantation eines Stents geschieht wie folgt: Nach einer Punktion des Arms (1) oder der Leiste (2) injizieren unsere Fachärzte mittels Herzkatheter Kontrastmittel in die Herzkranzgefässe.

So können anhand von Röntgenstrahlen die Herzkranzgefässe dargestellt werden. Dann wird der Stent mittels Herzkatheter oder Ballonkatheter zum Herz geschoben. Bei letzterem Vorgehen sitzt der Stent zusammengefaltet auf einem Ballon. Wenn der Ballon aufgeblasen wird, entfaltet sich der Stent und stützt die Gefässwand.

Bei signifikanten Verengungen lassen sich zeitgleich oder verzögert ein oder mehrere Stents platzieren.

Übrigens: Der Ballonkatheter wurde in Zürich vom Arzt Andreas Grüntzig erfunden. Was ihm 1977 bei der ersten Operation mittels seiner Erfindung gelang, löste Begeisterung aus. Er rettete einem Kaufmann, der sich einer herkömmlichen Herzoperation verweigerte, das Leben.


Katheterbasierter Klappenersatz (TAVI)

Eine besonders neuartige Technik ist der katheterbasierte Klappenersatz, kurz TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation). Im Unterschied zum herkömmlichen Vorgehen nehmen unsere Fachärzte bei einer TAVI die Implantation mittels Katheter vor – am schlagenden Herzen, ohne beim Patienten eine Herz-Lungen-Maschine anzuschliessen. Es bestehen drei TAVI-Varianten:

I) Transfemorale TAVI (1): Transfemoral bedeutet, dass der Zugang über die Leisten-Schlagader geschieht. Spezialisten schieben über die Punktion der Leiste eine zusammengefaltete, künstliche Herzklappe mittels Katheter zum schlagenden Herzen. Die künstliche Herzklappe wird im Bereich der verkalkten Klappe abgesetzt und verankert.
 
II) Transapikale TAVI: Bei Patienten mit zu kleinen und/oder stark verkalkten Leisten-Gefässen kommt die transapikale TAVI infrage, bei welcher der Zugang über die Herzspitze erfolgt. Die neue Herzklappe wird durch einen etwa vier Zentimeter langen Schnitt in der Brustwand (2) implantiert.
 
III) Transaortale TAVI: Hier erfolgt die Implementation über eine Punktion der Aorta (3).

Operationszugänge

Beim katheterbasierten Kalppenersatz (TAVI) stehen drei verschiedene Zugänge zur Wahl: die Punktion der Leiste (1), der Schnitt in die Brustwand (2) oder die Punktion der Aorta (3).

Die Belastung einer TAVI-Therapie ist sehr viel geringer als bei einer herkömmlichen Herzoperation. Da der Brustkorb intakt bleibt und auf den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine verzichtet wird, kann der Patient bereits am Tag des Eingriffs voll mobilisiert werden und nach wenigen Tagen das Spital verlassen.
 
Allerdings kommt das TAVI-Verfahren derzeit nur bei Hochrisikopatienten mit isolierter Aortenstenose zum Einsatz. Aktuelle Studien belegen eine tiefere Mortalität bei sehr kranken Patienten im Vergleich zur konventionellen Operation. Wir sind überzeugt, dass bald eine solide wissenschaftliche Grundlage für eine Ausweitung auf Patienten mit tieferem Risikoprofil vorliegen wird.

Bei der neuartigen TAVI-Technik wird die künstliche Herzklappe mittels Katheter implantiert.



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