Was heisst koronare Herzerkrankung?

Der Herzspezialist Prof. Dr. med. Roberto Corti, Dr. med. Ivano Reho und PD Dr. med. Christophe Wyss erklären Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapiemethoden einer koronaren Herzkrankheit.

 
 

Die koronare Herzkrankheit zählt weltweit zu den häufigsten Herzkrankheiten.

Die koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefässe. Ablagerungen (Fett, Kalk, und Thromben) verursachen eine Verengung der Blutgefässe. Die Folge ist ein Durchblutungsmangel im Herzmuskel, die das Risiko eines späteren Herzinfarkts oder einer Herzinsuffizienz (Herzmuskelerkrankung) mit sich bringt. Typisch für die koronare Herzkrankheit sind anfallsartige Schmerzen in der Brust (Angina pectoris).

Die optimale und in unserem interdisziplinären Team erarbeitete Therapie-Strategie für Patienten mit koronarer Herzkrankheit richtet sich nach dem Erscheinungsbild und dem Stadium der Herzerkrankung.


Koronare Herzerkrankung

Herzkranzgefässe oder Koronarien heissen die übers Herz verlaufende Arterien und Venen. Sie beliefern unser Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sind unsere Koronarien krank, sprechen wir von einer koronaren Herzkrankheit. Der Begriff umfasst all jene Krankheiten, die durch Arteriosklerose hervorgerufen werden, also durch Ablagerungen von beispielsweise Fett, Kalk oder Thromben in den Blutgefässen. Eine koronare Herzkrankheit führt zu einer Verengung der Herzkranzgefässe. Als Folge: die Durchblutung wird behindert, dem Herzmuskel fehlt es an Sauerstoff und Nähstoffen. Engstellen werden als Stenosen bezeichnet. Diese können mit Prozentzahlen quantitativ beschrieben werden.


Symptome

Zu den Symptomen der koronaren Herzkrankheit gehören Brustenge, die sogenannte Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche. Es gilt, lebensbedrohliche Komplikationen wie einen Herzinfarkt oder den plötzlichen Herztod zu vermeiden. Die wichtigsten Symptome von koronaren Herzerkrankungen sind:

  • Stechende Schmerzen (Druckgefühl in der Brust oder Brennen hinter dem Brustbein)

  • Leistungsabfall und Atemnot

  • Schweissausbruch und Angst

  • Herzrhythmusstörungen

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)


Ursachen

Die koronare Herzkrankheit ist chronisch. Sie beginnt schon früh mit harmlosen Fettablagerungen in den Arterien und schreitet über Jahre fort. Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, eine familiäre Disposition, Fettleibigkeit (Adipositas) und Rauchen!  


Diagnose

Die Diagnostik einer koronaren Herzerkrankung verläuft in mehreren Stufen und umfasst unterschiedlichste Methoden. Neben der gezielten Anamnese durch den Arzt gibt die körperliche Untersuchung, wie das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop, inklusive einer Blutdruckmessung bereits wichtige Hinweise auf eine mögliche Herzerkrankung. Weitere Diagnostik-Methoden sind:

  • Elektrokardiogramm (EKG): Ruhe- und Belastungs-EKG

  • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens)

  • Computertomographie des Herzens (Cardio-CT), Magnetresonanztomographie des Herzens (C-MRT)

  • Herzkatheter-Untersuchung (Sondierung des Herzens mit Kathetern über Leisten- oder Armgefässe)


Unsere Therapie-Kompetenzen

  • Beratung und Begleitung bei einer Umstellung der Ernährung und des Lebensstils

  • Medikamentöse Therapien, um die Risikofaktoren in den Griff zu bekommen

  • Koronarangiographie (Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefässe)

  • Stent-Implantation (PCI)

  • Bypass-Chirurgie

  • MIDCAB-Operation im Hybrid-Verfahren



Koronarangiographie (Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefässe)

Die Koronarangiographie ist eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung, bei der die Herzkranzgefässe abgebildet werden. Bei dieser Untersuchung wird ein Röntgenkontrastmittel über einen Herzkatheter in die Herzkranzgefässe injiziert und mittels Röntgenstrahlen sichtbar gemacht. Das Diagnostikverfahren erfolgt in örtlicher Betäubung beim wachen Patienten im Herzkatheterlabor. Mit der Herzkatheteruntersuchung werden die rechte und die linke Herzkranzarterie mit ihren Seitenästen hinsichtlich Verengungen oder Verschlüsse der Koronargefässe lokalisiert und quantifiziert.

Die bildliche Darstellung und und Analyse der Gefässverschlüssen ist Voraussetzung für die Therapie-Entscheidung zur Aufdehnung oder Wiedereröffnung von Herzkranzgefässeen.

 

Die Koronarangiographie wird in 80 % der Fälle über die linke Unterarmarterie (radial) und in 20% der Fälle über die Leistenarterie (femoral) durchgeführt. 

Trotz Fortschritten im Bereich der bildgebenden Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie oder Echokardiographie) ist die Koronarangiographie weiterhin das wichtigste Verfahren zur Analyse der Herzkranzgefässe. Komplikationen bei Herzkatheruntersuchung liegen unter 1%.


Implantation eines Stents bei Erkrankung der Herzkranzgefässe (KHK)

Ein Stent ist ein steifes Röhrchen aus Metall. Er wird in die verengten Herzkranzgefässe implantiert mit dem Ziel, die Gefässwände zu stützen, erneute Ablagerungen zu verhindern und den Blutfluss zu gewährleisten. Ein Stent besteht aus einem Gerüst und einer medikamentösen Beschichtung, die neuste Generation Stents ist sogar biologisch abbaubar.

Zugang

Die Implantation eines Stents geschieht wie folgt: Nach einer Punktion des Arms (1) oder der Leiste (2) injizieren unsere Fachärzte mittels Herzkatheter Kontrastmittel in die Herzkranzgefässe.

So können anhand von Röntgenstrahlen die Herzkranzgefässe dargestellt werden. Dann wird der Stent mittels Herzkatheter oder Ballonkatheter zum Herz geschoben. Bei letzterem Vorgehen sitzt der Stent zusammengefaltet auf einem Ballon. Wenn der Ballon aufgeblasen wird, entfaltet sich der Stent und stützt die Gefässwand.

Bei signifikanten Verengungen lassen sich zeitgleich oder verzögert ein oder mehrere Stents platzieren.

Übrigens: Der Ballonkatheter wurde in Zürich am Unispital vom Arzt Andreas Grüntzig erfunden. Was ihm 1977 bei der ersten Operation mittels seiner Erfindung gelang, löste Begeisterung aus. Er rettete einem Kaufmann, der sich einer herkömmlichen Herzoperation verweigerte, das Leben.


Minimal-invasive Bypass-Operation (MIDCAB) im Hybrid Verfahren

Es besteht die Möglichkeit, einen Bypass ohne Eröffnung des Brustkorbs anzulegen – mittels einer sogenannten MIDCAB-Operation (Minimally-Invasive-Direct-Coronary-Artery-Bypass-Operation). Hierbei wird minimalinvasiv die linke Brustwandarterie zum Bypass präpariert.

Unsere Herzchirurgen eröffnen den Brustkorb über einen etwa vier Zentimeter langen Einschnitt unter der linken Brustwarze (1), anschliessend können sie «off-pump», ohne Herz-Lungen-Maschine, die Brustwandarterie mit der Koronararterie verbinden. Ein einfacher Bypass ist geschaffen. Während der gleichen OP - und in zusammenarbeit mit einem Kardiologen, können sie gegebenenfalls Stents in andere verengte Gefässe implantieren.

Operationszugang

Die Operationszugänge des Hybrid-Verfahrens liegen unterhalb der Brustwarze (1) oder in der Leiste und im Arm (2).

Dieser Eingriff ist neuartig und wird im speziellen Hybrid-Operationssaal durchgeführt. Hybrid steht für die Kombination verschiedener Techniken: in diesem Fall jener der Stentimplantation mittels Katheter und jener der Bypass-Chirurgie (1). Das Hybrid-Verfahren vereint zwei Techniken: die konventionelle Herzchirurgie mit dem Anlegen eines Bypasses und die Koronarographie mit der Implantation eines Stents.


Bypass Chirurgie bei schwerer Erkrankung der Herzkranzgefässe (KHK)

Die Bypass-Chirurgie hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem weltweiten Standardverfahren bei koronarer Herzkrankheit entwickelt.

Ziel der Bypass-Chirurgie ist es, die verengten Arterien zu überbrücken. Dazu präparieren unsere Herzchirurgen aus Venen und Arterien des Patienten ein Gefässersatz. Als Gefässtransplantat, sogenanntes Graft-Material, verwenden sie unabhängig vom Alter des Patienten meist die linke, oft auch die rechte Brustwandarterie. Auch die linke Arteria radialis aus dem Arm oder eine Vene aus dem Bein dienen als Graft-Material. Die Herzchirurgen legen das Transplantat an geeigneter Stelle an und platzieren so eine Art "Umleitung": Der Blutfluss wird um die verengte Stelle geführt; ein ganzes Gebiet des Herzmuskels bekommt somit frisches Blut. Symptome der Mangeldurchblutung werden so langfristig eliminiert.

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Operationszugang

Bei dieser Technik wird nach Einleitung einer Vollnarkose eine mediane Sternotomie (1) vorgenommen: Eröffnen des Brustbeins,  und anschliessen an die Herz-Lungen-Maschine sind Routineschritte der Operation. Alternativ lässt sich diese Operation auch ohne Herz-Lungen-Maschine durchführen – mit der sogenannten Off-Pump-Chirurgie. Die Off-Pump-Chirurgie ist eine technologische Innovation, wird aber nur bei ausgewählten Patienten durchgeführt. 


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