Was heisst Mitralklappeninsuffizienz?

Die Herzspezialisten Prof Dr. med. Roberto Corti und Prof. Dr. med. Jürg Grünenfelder beantworten Patientenfragen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapiemethoden von Mitralklappeninsuffizienz.

 
 

Die Mitralklappeninsuffizienz ist nach der Aortenklappenstenose der am zweithäufigsten operierte Herzfehler.

Die Mitralklappeninsuffizienz (auch Mitralinsuffizienz) ist die Undichtigkeit der Mitralklappe, d.h. der Segelklappe zwischen dem linkem Vorhof und der linken Herzkammer. Die Folge ist ein ständiger Rückfluss des Blutvolumens und die damit verursachte Überlastung der Herzkammern. Als Folge kann es zusätzlich zu einer Herzinsuffiziens kommen. Typisch für Mitralklappeninsuffizienz sind schnelle Ermüdung, Atemnot und Herzrhythmusstörungen.

Die optimale und in unserem interdisziplinären Team erarbeitete Therapie-Strategie für Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz richtet sich nach dem Erscheinungsbild und dem Stadium des Herzfehlers.


Mitralklappeninsuffizienz

Die Mitralklappe ist richtungsweisend: Gemeinsam mit den drei weiteren Herzklappen verantwortet sie den korrekten Blutfluss aus dem Lungenkreislauf in die linke Hauptkammer.
 
Die Mitralklappe besteht aus zwei Segeln. Sie dienen wie ein Tor zwischen dem linken Vorhof und der linken Hauptkammer. Wenn dieses Tor nicht richtig schliesst, fliesst Blut aus dem Vorhof zurück in den Lungenkreislauf. Wir sprechen dann von einer Mitralklappeninsuffizienz.
 
Der Rückfluss des Blutstroms führt zu einer Dehnung des Vorhofs, später auch der Hauptkammer. Das Herz ist mit einer immer stärkeren Belastung konfrontiert.


Symptome

Patienten einer Mitralklappeninsuffizienz leben oft frei von Symptomen. Nimmt die Undichtigkeit aber zu, können Herzklopfen, Atemnot bei körperlicher Belastung, nächtliche Hustenanfällen und Vorhofflimmern auftreten. Die wichtigsten Symptome von Mitralklappeninsuffizienz sind:

  • Allgemeine Leistungsminderung und schnelle Ermüdung

  • Atemnot (Belastungsdyspnoe)

  • Herzstolpern oder Herzrasen

  • bis zum Vorhofflimmern


Ursachen

Die Ursachen für eine Mitralklappeninsuffizienz sind vielseitig: Sie reichen von altersbedingter Veränderungen am Gewebe (z. B. Verdickung oder Verlängerung) über angeborene Gewebedefekte mit anschliessendem Gewebevorfall bis hin zu Verkalkungen, Entzündungen und Veränderungen der Grösse und Funktion der linken Herzkammer. Mögliche Ursachen von Mitralklappeninsuffizienz können sein:

  • Mitralinsuffizienz (postinfarziel) nach Herzinfarkt

  • Mitralinsuffizienz (ischämisch) aufgrund von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels

  • Mitralinsuffizienz (relative) bei aufgedehnter linken Herzkammer

  • Mitralklappen-Prolaps (Vorwölbung von Klappenanteilen und Schlussunfähigkeit der Mitralklappe)

  • Zerstörung der Mitralklappe durch Entzündung (Endokarditis)

Wenn eine Mitralklappe stark undicht ist, hat dies mitunter Auswirkungen auf die Lunge, den Kreislauf und das allgemeine Leistungsvermögen. Diese Aspekte werden mit verschiedenen Belastungstests (Sechs-Minuten-Gehtest, Laufband- oder Fahrradtest) abgeklärt. Eine häufige Komplikation bei gravierender Mitralklappeninsuffizienz sind Herzrhythmusstörungen; daher erfolgt eine Kontrolle anhand einer Ruhe-Herzstromkurve (EKG) sowie anhand einem Langzeit-EKG über ein bis zwei Tage.


Diagnose

Die Diagnostik von einer Mitralklappeninsuffizienz verläuft in mehreren Stufen und umfasst unterschiedlichste Methoden. Neben der gezielten Anamnese durch den Arzt gibt die körperliche Untersuchung, wie das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop, inklusive einer Blutdruckmessung bereits wichtige Hinweise auf eine mögliche Herzerkrankung. Weitere Diagnostik-Methoden bei Mitralklappeninsuffizienz sind:

  • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens)


Unsere Therapie-Kompetenzen

  • Medikamentöse Therapien

  • Chirurgische Mitralklappen-Rekonstruktion oder ein Mitralklappenersatz

  • Katheterbasierte Mitralklappenrekonstruktion (Mitralclip)



Minimal-invasive Mitralklappenoperation mit DaVinci-Roboter (neu)


Chirurgische Mitralklappenrekonstruktion

Eine Mitralklappenrekonstruktion ist bei einem Klappenprolaps (Fehlbildung des Mitralklappenapparates) fast immer möglich. Diese Rekonstruktion kann über eine mediane Sternotomie (2) durchgeführt werden.

Zugang

Mitral Valve Repair.jpeg

An der HerzKlinik ist auch in diesem Fall das minimalinvasive Vorgehen Routine. Die minimal invasive Mitralklappenrekonstruktion erfolgt über einen kleinen seitlichen Schnitt (circa 5 cm) über den Rippen (1). So wird ein sehr schonender Zugang zum Brustkorb geschaffen, ohne dass er eröffnet werden muss. Die Herz-Lungen-Maschine wird über die Leistengefässe angeschlossen.

Nach diesem Schritt kann mittels Kardioplegie das Herz abgeschaltet werden. Nun wird der linke Vorhof eröffnet und die Mitralklappe bildlich dargestellt. In den meisten Fällen, aber abhängig von der Ursache der Erkrankung, ist eine Rekonstruktion der eigenen Herzklappe möglich. Hierzu wird ein (oder beide) Segel chirurgisch behandelt und ein Ring auf die Klappe aufgenäht, der das Resultat über lange Zeit stabilisiert.


Katheterbasierte Mitralklappenrekonstruktion (Mitraclip)

Die katheterbasierten Herzklappentherapien haben sich als Alternative zur herkömmlichen chirurgischen Behandlung der Herzklappen etabliert. Insbesondere schwerstkranke Menschen und solche, die für die klassische Chirurgie nicht geeignet sind, können heutzutage dank modernster Technik und ohne den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen erfolgreich behandelt werden.

Operationszugang

Mittels Katheter (1) kann eine undichte Herzklappe repariert werden, beispielsweise durch das Einbringen von Mitraclips.

Dabei wird der Clip mit einem Katheter über die grossen Hohlvenen zur linken Herzkammer geführt und unter Anleitung von Herzultraschallbildern am richtigen Ort platziert. Je nach Bedarf werden ein oder mehrere Clips gesetzt. Falls eine Reparatur nicht möglich ist, kann eine neue Herzklappe auch mittels Katheter über die Herzspitze eingesetzt werden. Dieses relativ neue Verfahren ist allerdings nur in Spezialfällen und nach ausführlichen Abklärungen möglich.


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