Herz-Überwachung über das Handy-Netz bei Herz-Insuffizienz


PD Dr. David Hürlimann Hürlimann

(im Gespräch mit Sprechstunde Doktor Stutz)

PD Dr. med. David Hürlimann

PD Dr. med. David Hürlimann

So einfach und unmittelbar konnte der Arzt die Herzfunktion seiner Patienten noch nie fernüberwachen. PD Dr. David Hürlimann analysiert die Daten, die vom Biomonitor übermittelt wurden. Aufgrund des Resultates entscheidet er, ob es sich um ein harmloses Ereignis oder einen Notfall handelt.

Er beklagte sich über Unwohlsein, kurze Bewusstseinsstörungen, manchmal sogar längere Aussetzer. Doch die Vorfälle passierten nie beim Arzt und auch nie in der Klinik. PD Dr. David Hürlimann, Kardiologe in der Herzklinik Hirslanden Zürich: „In solchen Fällen veranlassen wir zuerst eine 24- oder 48-Stunden-EKG-Untersuchung. Leider verpasst man selbst damit die Ereignisse oft, da sie nur selten vorkommen. Um den Problemen auf die Spur zu kommen, implantieren wir in besonderen Fällen einen sogenannten Eventrecorder, der es erlaubt über Monate bis Jahre den Herzrhythmus zu überwachen. Die erhobenen Daten lassen sich bei Bedarf abfragen, wenn der Patient das Ereignis meldet.

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Seit einiger Zeit gibt es ein sogenanntes Homemonitoring-System, das übers Handynetz funktioniert. Stellt das Gerät eine Anomalie fest, wendet es sich an eine Daten-Zentrale, von wo aus detaillierte Informationen zur aktuellen Situation des Herzens direkt auf den Bildschirm des Arztes übertragen werden. Das ist sehr praktisch für den überwachten Patienten, denn er muss selber nichts tun. Alles geht automatisch und vor allem weltweit. Bisher musste sich der Patient mühsam über eine Analogleitung erst einwählen und die Daten übermitteln.

Das System eignet sich speziell auch für Patienten, denen vielleicht nur einige Male im Jahr schwarz wird vor den Augen und bei denen bisher kein Arzt herausgefunden hat, was los ist, weil 24-Stunden EKGs die Ereignisse immer verpasst haben. Mit dem Biomonitor meldet sich der Patient,  wenn die besagten Symptome wie Schwindel, Schwarz werden etc. auftreten und der Arzt kann aus der Ferne analysieren,  was passiert ist. Für den Betroffenen ist das eine wesentliche Erleichterung, weil der Weg in die Klinik meist zu weit und der Anfall dann schon längst vorüber ist.“

Wo liegt der Vorteil für den Arzt beim neuen Biomonitor? PD Dr. David Hürlimann: „Man erfährt viel schneller, dass beim Patienten etwas nicht stimmt. Auch dann, wenn der Patient selber gar nicht bemerkt, dass ein Vorfall stattgefunden hat. Bei Vorhofflimmern oder anderen Herzrhythmusstörungen kommt das häufig vor. Bei einer Anomalie wählt sich das Gerät selber ins Funknetz ein und übermittelt die Daten. Vollautomatisch. Mit dem Homemonitoring lässt sich auch die Funktionstüchtigkeit anderer Geräte wie implantierter Defibrillatoren oder Herzschrittmacher überprüfen. So erfährt der Arzt beispielsweise, ob bei einem ICD-Patienten eine Schockabgabe stattgefunden hat und er registriert, welches Ereignis dazu geführt hat. Ist etwas verdächtig, können wir denPatienten sehr rasch in die Klinik rufen. Anders herum kann der Patient beruhigt werden, wenn er unnötig das Gefühl hat, es sei etwas nicht in Ordnung.“

Welche Patienten kommen für die Fernüberwachung besonders in Frage? PD Dr. Hürlimann: „Es sind in den meisten Fällen Patienten mit Herzinsuffizienz, die einen Defibrillator tragen. Dann Schrittmacherpatienten, die ohne Schrittmacher überhaupt keinen Eigenrhythmus mehr haben. Dort ist es wichtig, dass man solch ein Monitoring im Einsatz hat, denn man möchte früh erfahren, wenn beispielsweise eine Schrittmacherelektrode defekt ist.

Wo wird der kleine ‚Computer‘ platziert? PD Dr. Hürlimann: „Er kommt unterhalb des Schlüsselbeines unter die Haut, an die gleiche Stelle wie normale Schrittmacher.“ Ein schwieriger Eingriff? „Nein, das Einsetzen geht ambulant und dauert nur 20 bis 30 Minuten. Dann bleibt der Patient noch zwei bis drei Stunden unter Beobachtung und anschliessend darf er nach Hause. Das Gerät hat ja keine Elektroden in den Blutgefässen und ist völlig ungefährlich. Mit dieser Technologiehaben wir schon Rhythmusstörungen bei Patienten entdeckt, die während 10 Sekunden lang ohne Herzschlag warenund so, dank der richtigen Diagnose, mit einem Herzschrittmacher ausgestattet werden konnten.“

 

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