Die katheterbasierte Herzklappentherapie ist auf dem Vormarsch.


Prof. Dr. med. Jürg Grünenfelder

(im Gespräch mit Susanne Amrhein von PRIMO MEDICO)

 Prof. Dr. med. Jürg Grünenfelder

Prof. Dr. med. Jürg Grünenfelder

Den DaVinci Operationsroboter kennt man vorwiegend aus dem Bereich der Prostata-OPs. In der Züricher HerzKlinik Hirslanden wird er seit Jahren auch erfolgreich in der Herzchirurgie eingesetzt.

Der „Chirurg mit den vier Armen“ zittert nicht ein einziges Mal, während er für eine Bypass-Versorgung mit hochpräzisen Bewegungen einen Teil der Arteria mammaria interna entnimmt, einem kleinen Arterien-Ast im Brustraum. An der Steuerungskonsole des DaVinci Operations-roboters sitzt Prof. Dr. med. Jürg Grünenfelder, Spezialist für Kardiochirurgie und Leiter der Herzchirurgie an der HerzKlinik Hirslanden in Zürich/Schweiz: „Gewisse Techniken kann der Roboter besser ausführen als die Hand eines Chirurgen.

Die Arme haben eine bessere Freiheitsrotation als das menschliche Handgelenk. Jegliches Zittern wird herausgefiltert. Und statt lange vornübergebeugt über dem Patienten zu stehen, sitze ich an einem bequemen Arbeitsplatz, der vorzeitiger Ermüdung vorbeugt und kann jeweils zwei der vier Roboterarme gleichzeitig bewegen.

Das ganze bei exzellenter Sicht: Ein Arm führt eine Kamera mit bis zu 10-facher Vergrößerung, die anderen drei tragen die notwendigen Instrumente“. Seit vier Jahren führen Prof. Grünenfelder und sein Team an der HerzKlinik Hirslanden roboter-assistierte Bypass-Operationen durch, seit 1,5 Jahren auch Mitralklappenrekonstruktionen.


Schonendere Herz-Operationen dank DaVinci

Der grosse Vorteil beim Einsatz des Operationsroboters sind die minimalinvasiven Zugänge zum Brustraum, erklärt Prof. Grünenfelder: „Wenn wir von Hand einen Graft gewinnen, also einen Teil einer Arterie präparieren, den wir als Bypass verwenden wollen, müssen wir die Rippen per Hand spreizen, um Platz für unsere Bewegungen zu haben. Dabei kann es auch mal passieren, dass eine Rippe bricht.

Für die Arme des DaVinci benötigt man dagegen nur winzige, ca. 1 Zentimeter lange Schnitte im Rippenzwischenraum“. Dass die Rippen bei der roboterassistierten Herzchirurgie nicht gespreizt werden müssen, verringert das Trauma im Brustkorb erheblich. Die Patienten leiden nach dem Eingriff weniger Schmerzen. Auch die Wundheilung erfolgt deutlich schneller. „Es ist eine Win-Win-Situation für die Patienten und uns Herzchirurgen“, betont Prof. Grünenfelder. „Allerdings ersetzt der Roboter niemals die Erfahrung des Operateurs. Dieser muss die Techniken beherrschen, die er mit Hilfe des DaVinci ausführt. Nur so können gute Resultate erreicht werden“.  

Das schonendere Verfahren ist es letztendlich auch, was die Kosten für den Einsatz des teuren Operationsroboters wieder relativiert, so Kardiochirurg Grünenfelder: „Selbst wenn die reinen Operationskosten mit dem DaVinci höher sind, so werden diese post-operativ durch eine schnelle Genesung und niedrige Komplikationsraten wieder eingespart“.


Robotertechnik weiter auf dem Vormarsch

Bisher wird der DaVinci nur für chirurgische Eingriffe verwendet, bei denen das Herz still stehen muss, d.h. unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Die Herzchirurgen der Klinik Hirslanden haben sich langsam an die schwierigeren Fälle herangetastet. „Nach den Bypass-Operationen haben wir mittlerweile etwa 30 Mitralklappen mit dem DaVinci rekonstruiert. Doppelklappeneingriffe sind möglich, aber noch die Ausnahme“, so Herzspezialist Grünenfelder.

Er geht davon aus, dass die Weiterentwicklung des DaVinci rasch voranschreiten wird: „Die Herstellerfirmen arbeiten bereits daran, die Roboterarme statt durch vier Schnitte künftig nur durch einen einzigen Zugang (Single Port) einzuführen. Dies würde die Belastung für den Patienten nochmal deutlich reduzieren“.  Erste Einsätze eines DaVinci Operationsroboters mit einem Single Port könnten in der Urologie oder Viszeralchirurgie bereits im kommenden Jahr erfolgen.

Wenn diese Methode funktioniert, könnte die roboterassistierte Chirurgie für Mitralklappen-Rekonstruktionen in zwei bis drei Jahren zum Standardverfahren werden, hofft Prof. Grünenfelder.





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